Die Sache mit der Vereinbarkeit (von Ja)

Ich denke schon sehr lange über diesen Beitrag nach, habe ihn bestimmt schon drei Mal geschrieben und dann wieder gelöscht. Ihr seht also, dieses Thema liegt mir gerade sehr am Herzen.

Im September habe ich quasi einen Selbstversuch gestartet und mich wieder ins Berufsleben gestürzt. Aber erst Mal der Reihe nach.

Im Juli 2012 habe ich aufgehört zu arbeiten und meinen Job gekündigt. Das hatte verschiedene Gründe, der Hauptgrund aber war meine Ehe und die Angst durch den Stress der Pendelei kein gesundes Kind bekommen zu können. Das war ein Schritt der mir sehr sehr schwer viel, denn ich liebte meinen Job, die Firma für dich arbeitete, meine Chefin und meine Kollegen. Natürlich war nicht immer alles super aber wenn das Leben ein bißchen anders verlaufen wäre, wäre ich sicherlich noch da und das vielleicht sogar bis zur Rente.

Aber es läuft eben meistens anders als geplant, also kündigte ich und hatte zwei Wochen später einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Damit war der Plan sich in der neuen Stadt sofort einen Job zu suchen hinfällig. Ich saß also ein halbes Jahr rum, war schwanger und einsam.

Dann kam unsere Tochter und das erste Jahr war eben das erste Jahr. Aufregend und schön aber auch furchtbar anstrengend und geprägt von Müdigkeit. Und von Unzufriedenheit. Meiner Unzufriedenheit. Ich wollte wieder arbeiten gehen, mich nützlich fühlen und nicht „nur“ Hausfrau und Mutter sein. Als ich anfing mich zu bewerben regnete es Absagen und ich wurde immer frustrierter und verzweifelter.

Kurz bevor die Kita anfing erhielt ich ein Jobangebot und griff sofort zu. 40 Stunden Arbeitszeit, 30 Minuten Fahrtzeit für die einfache Strecke. Auf dem Papier ging dieses Konzept gerade so auf. Im richtigen Leben leider nicht. Ich hatte nämlich ein paar Variablen nicht beachtet. Meine Tochter, meinen Mann und den Berufsverkehr. Jeder Morgen war purer Stress und rechtzeitig aus der Tür um pünktlich da zu sein war ich nur selten. Zeit zum kuscheln und aufwachen blieb nicht. Ich fuhr morgens heulend zur Arbeit und nachmittags heulend zurück.

Nach sechs Wochen reduzierte ich meine Arbeitszeit auf 35 Stunden und mein Chef gewährte mir einen Tag Homeoffice in der Woche. Das verschaffte mir etwas Luft zum Atmen und auch zum Nachdenken. Während mein Job mich vor der Geburt meiner Tochter definiert hatte, ich gerne eine Stunde länger arbeitete und mehr als 100 % gab, schweiften meine Gedanken jetzt öfter ab.

Unabhängig davon, dass es nicht mein Traumjob war merkte ich, wie sehr sich meine Prioritäten verschoben haben. Ich WOLLTE nicht mehr, dass der Job an erster Stelle steht. Dieser Platz war besetzt! Besonders merkte ich das, als die kleine Maus krank wurde ich eigentlich zu Hause bleiben musste, mein Chef das aber (verständlicher Weise) nicht so toll fand.

Nebenbei versank der Haushalt trotz Putzfrau im Chaos. Denn es gibt eben Dinge, die man selber machen muss. Kündigte sich Besuch an hatte ich die Schweißperlen auf der Stirn und versuchte wenigstens den äußeren Schein von Ordnung zu wahren. Mein Mann und ich hatten vorher über das Thema Gleichberechtigung diskutiert und waren uns eigentlich einig. Aber er arbeitete eben 40 Stunden plus Überstunden und so blieb dann doch das Meiste irgendwie an mir hängen.

Irgendwann war der Punkt erreicht an dem mir klar wurde, dass es so nicht weitergehen konnte. Aber die Wirtschaft bietet Müttern die gerne arbeiten möchten aber eben nicht Vollzeit sehr wenige Möglichkeiten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann ich das sogar verstehen und ich erinnere mich nur zu gut daran, dass es als Kinderlose nicht immer einfach war mit Müttern zusammen zu arbeiten.

In meinem Fall habe ich das große Glück ins Familienunternehmen einsteigen zu können. Dies bedeutet nicht nur, dass ich von zu Hause aus arbeiten kann sondern auch, dass Krankheitstage meiner Tochter in Zukunft kein Problem mehr darstellen. In den letzten zwei Wochen hat sich die Situation merklich entspannt und wird sich denke ich auch noch weiter entspannen.

Ich glaube nach wie vor, dass so etwas wie „Vereinbarkeit“ möglich ist. Aber dazu muss jeder wissen wieviele Kompromisse er bereit ist zu machen. Bei meinem „Experiment“ hatte ich das Gefühl, dass nicht nur ich es bin die Kompromisse macht, sondern dass ich das auch von meiner Tochter erwarte. Dinge die mir wichtig waren, meine Familie, meine Ehe, mein Kind blieben auf der Strecke. Ich konnte einen Vollzeitjob nicht mit meinem Job als Mutter vereinbaren. Der Job gab mir nicht mehr das, was er mir vor der Geburt meiner Tochter gegeben hatte und deswegen habe ich für mich bewusst die Entscheidung getroffen, ihn nicht mehr an aller erster Stelle zu stellen. Dies bedeutet nicht, dass ich schlechter arbeite. Es gibt feste Stunden die für meine Arbeit reserviert sind und in denen ich wirklich ackere. Aber dann mache ich den PC aus und bin Mama, Ehefrau oder einfach ich und fühle mich dabei sehr sehr wohl.

Weiteres zum Thema „Vereinbarkeit“ findet ihr hier in der Blockparade von Grosse Köpfe.

 

 

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